Meine berufliche Neuorientierung – ein Rückblick

Über die Jobsuche wird immer noch wenig offen gesprochen. Klar gibt es Seminare dazu oder Coachings, aber die Suche an sich muss immer geheim bleiben. Das direkte Umfeld weiß es vielleicht und bescheinigt einem, dass es eine schwierige und harte Zeit wird. Aber der eigene Arbeitgeber und die Kollegen dürfen es nicht wissen. Überall ist nach zu lesen, die Chancen aus einem Arbeitsverhältnis heraus einen neuen Job zu finden, sind viel besser als wenn man erstmal arbeitslos ist. Ich glaube jedoch nicht, dass das zwingend wahr ist. Darüber hinaus sind manche verzweifelt, weil sie ihre Tätigkeit so schrecklich finden, weil die Befristung ausläuft oder weil sie schon so viele Absagen erhalten haben. Diese Verzweiflung dürfen sie sich aber nicht anmerken lassen. Jobsuche bedeutet also in vielerlei Hinsicht, eine Art Doppelleben zu führen.

Meine Mission

In Zeiten wo wir uns alle immer stärker vernetzen, uns gegenseitig unternehmensübergreifend bei der digitalen Transformation unterstützen, sollten wir uns aus meiner Sicht auch alle dabei unterstützen, in eine sinnhafte Arbeit zu kommen. Dieses Schweigen über die Jobsuche will ich brechen. Ich möchte der Verzweiflung, die aufkommen kann, Raum geben und gleichzeitig meine Strategien damit umzugehen teilen, um allen, die in einer ähnlichen Situation sind, Mut zu machen. Und nicht zuletzt will ich den Recruitingprozess revolutionieren. Das muss auch anders gehen! Dies werde ich in Form meiner ganz persönlichen Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen tun. Es gehört für mich zu meiner Vision der Arbeitsweltgestaltung dazu, dass wir auch über dieses Thema offen sprechen. Ich freue mich über Verbündete, die es mir nachtun werden. Ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Lasst uns vernetzen und gemeinsam dafür sorgen, dass jeder auf seinem Weg in eine sinnhafte Arbeit unterstützt wird. #ArbeitMitSinn

Meine Komfort-Zone

Ich bekomme viele positive Rückmeldung dazu, dass ich konsequent mein Ziel verfolge und mich nicht beirren lasse. Ich ernte oft sogar Bewunderung dafür, dass ich so klar zu meinen Werten stehe und auch Jobangebote abgelehnt habe. Das liegt daran, dass ich darauf vertraue, dass ich früher oder später den Job machen werde, der mich wirklich erfüllt. Was jedoch für mich schwierig  ist, hier aufzuschreiben, was manchmal auch zwischen den Erfolgen in den Tiefs passiert und was meine schwierigsten und teilweise auch schmerzhaften Learnings waren. Denn Jobsuche ist eine Achterbahn der Gefühle. Einerseits ein auf zu neuen Ufern, die Welt erkunden und lernen, andererseits eine Zeit der Unsicherheit, die mit vielen Ablehnungen und Standard-Email-Absagen ohne Begründung verbunden ist.

Meine Vision für meine berufliche Zukunft

Meine Vision hilft mir an dem Thema dran zu bleiben. Schon Ende 2015 habe ich mich intensiv damit auseinandergesetzt, was mir wirklich Spaß macht, worin ich wirklich gut bin und was mir an meinem Arbeitsumfeld wirklich wichtig ist. Das kann ich in zwei wesentliche Sätzen zusammenfassen. Ich möchte gestalten und etwas bewegen, dabei gehe ich auch gerne vorweg. Außerdem möchte ich mit Kolleginnen und Kollegen gemeinsam etwas erreichen. Zu den Rahmenbedingungen ist im Wesentlichen zu sagen: ich brauche ein Ziel, welches ich eigenverantwortlich verfolgen darf. An dessen Erreichung will ich gemessen werden und nicht an der Anzahl meiner Präsenzstunden. Dieser Wunsch ist so stark in mir, dass er mich immer weiter antreibt. Jedes Mal, wenn ich mir das vor meinem inneren Auge vorstelle, dann weiß ich, dass es sich lohnt, weiter zu machen.

Meine Learnings

Die Personalauswahl ist in vielen Unternehmen noch nicht so ausgereift wie ich es dachte.

Ich durfte Personalauswahl in einem Unternehmen auf hochprofessionelle Art lernen, wurde gut ausgebildet und dachte im Anschluss, dass es überall so sein wird und dies der selbstverständliche Standard ist. Folglich habe ich nach Unternehmen gesucht, die genauso professionell sind und habe in Vorstellungsgesprächen, bewusst oder unbewusst, signalisiert, dass ich mir keinen niedrigeren Standard vorstellen kann. Dies ist eine sehr einschränkende Sicht auf die Dinge und grenzt potenzielle Arbeitgeber stark ein. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass einige Unternehmen den Handlungsdruck erkannt haben, aber noch nicht so richtig wissen wie sie damit umgehen sollen oder an bestimmten Stellen in der Organisation auf Widerstände stoßen. Wenn ich diese Unternehmen in meiner Suche mit aufnehme, wird das Feld gleich viel größer für mich. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass ich mich nicht auf die Personalauswahlprozesse verlasse, sondern mit Entscheidern über andere Wege versuche in Kontakt zu kommen.

Egal welche Weiterbildung ich noch mache und ob das angeblich gerade so dringend gesucht wird, das ist keine Jobgarantie.

Als ein Mensch der gerne lernt und neugierig ist, habe ich versucht zu antizipieren, mit welcher Weiterbildung mir der Jobeinstieg wohl leichter fallen würde. Da war meine Tätigkeit als Personaldisponentin, weil ich dachte, dass ich dann auch mal die bösen Seiten (Abmahnungen/Kündigungen) der Personalarbeit kennenlerne und dann eher eine Chance als Personalreferentin habe. Außerdem die Weiterbildung als Coach, weil das gefühlt gerade alle machen und Coaching-Skills so wichtig sind. Bis hin zu meiner Scrum Master Zertifizierung, weil Agilität gerade so gehyped wird und Scrum Master so dringend gesucht werden. Aber ich kann Ihnen verraten, das sind keine Jobgaranten. Meine Bewerbungen als Scrum Master haben nicht gefruchtet, trotz meiner Workshop-Erfahrung, Coaching-Erfahrung und meiner Zertifizierung. Meine Tätigkeit als Personaldisponentin hat nicht zu mehr Einladungen zu Vorstellungsgesprächen als Personalreferentin geführt. Meine Coaching-Ausbildung hat mir auch nicht den Einstieg in die Personalentwicklung verschafft.

Das Wichtigste ist also, dass ich mich frage: was ich als nächstes lernen möchte und was mich wirklich interessiert. Es ist nicht förderlich, mit Weiterbildungen die Hoffnung zu verknüpfen, dass man deswegen seinen Traumjob findet. Die Enttäuschung ist vorprogrammiert. Meine Coaching-Ausbildung hat mich persönlich unglaublich weitergebracht. Die Tätigkeit als Personaldisponentin hätte ich aber auch einfach auslassen können. Das hat mich nicht vorangebracht. Die Scrum Master Zertifizierung war interessant, um mich dem Thema Agilität näher zu bringen, aber ich glaube, das hätte ich auch ohne die Zertifizierung geschafft.

Am Ende muss ich mit meiner persönlichen Entwicklung zufrieden sein und sonst keiner.

Mein Umfeld und auch so mancher Arbeitgeber haben mir suggeriert:

  • arbeitslos zu sein, ist schlecht.
  • Irgendwann muss ich wohl den nächstbesten Job annehmen.
  • Ich habe vielleicht zu hohe Ansprüche, es handelt sich eben nur um Arbeit und da muss man Abstriche machen.
  • Wenn ich keine Arbeit habe, sollte ich mir gut überlegen, ob ich Jobangebote ablehne.

Diese ganzen Zuschreibungen, gut gemeinten sorgenvollen oder mitleidigen Ratschläge sind nicht hilfreich. Hier musste ich mir wirklich ein dickes Fell zulegen. Doch zum Glück ist meine Vision so strahlend für mich, dass sie all solche Bemerkungen in den Schatten stellt. Mir ist klar geworden, dass das alles Selbstaussagen dieser Personen sind und welche Ängste sie haben. Es sind vielleicht auch Menschen, die aus irgendwelchen Gründen sich nicht trauen, etwas für sich selber zu ändern.

Inzwischen führt das dazu, dass ich bewusst versuche, mir Verbündete zu suchen, die verstehen, was mich antreibt. Ich versuche Gespräche zu vermeiden, die sich zu intensiv mit meiner Jobsuche befassen, in denen mir Ratschläge gegeben werden oder in denen mir die Welt mit ihren begrenzenden Hypothesen erklärt wird. Ich habe genug mit meinen eigenen Grenzen und Ängsten zu kämpfen, da brauche ich nicht noch die der anderen. Alle, die mir nahestehen, haben das inzwischen auch verstanden und unterstützen mich. Es kann sein, dass ich an der ein oder anderen Stelle die falsche Entscheidung treffe. Vielleicht gibt es leichtere Wege als den Weg, den ich beschreite. Aber wenn ich zurückblicke, insbesondere auf 2018, dann habe ich das Gefühl am Steuer zu sitzen und dass ich mir diese Reise so schön wie möglich gestalte. Dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit und die Zufriedenheit mit meiner eigenen persönlichen Entwicklung sind die beiden Dinge, die am meisten für mich zählen.

Netzwerke helfen, sind aber ebenfalls keine Jobgarantie.

Ich hatte den inneren Glaubenssatz, wenn ich aufgrund einer Empfehlung zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, vielleicht sogar außerhalb eines offiziellen Personalauswahlprozesses, dann kann nichts mehr schiefgehen. Doch es kann! Menschen, die einen empfehlen, haben oft keine genaue Vorstellung davon, was man sucht, was das Unternehmen sucht oder schätzen sogar die Kollegen komplett falsch ein. Diese Möglichkeiten hatte ich anfangs total unterschätzt. Heute freue ich mich über Empfehlungen, jedoch achte ich darauf, keine zu hohe Erwartungen zu haben. Zu hohe Erwartungen gehen mit starken Enttäuschungen einher. Stattdessen gehe ich mit Offenheit und Neugier und einer deutlich entspannteren Haltung in solche Gespräche.

Wichtig ist außerdem auch zu verstehen, dass nicht alle Menschen bereit sind, einen zu unterstützen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich wusste, dass ein Unternehmen sucht und ich Menschen aus meinem Netzwerk, die dort arbeiteten, angesprochen habe und z.B. darum gebeten habe, einen persönlichen Kontakt zu dem Ansprechpartner für einen informellen Austausch über die Stelle herzustellen. Einige Male wurden diese oder ähnliche Bitten jedoch auch abgelehnt und ich wurde auf den normalen Bewerbungsprozess verwiesen. Anfangs habe ich das stark auf mich persönlich bezogen. Mittlerweile habe ich das einfach akzeptiert und glaube, dass diese Menschen ihre ganz eigenen Gründe haben.

Meine Vision für unsere berufliche Entwicklung und Orientierung

Immer wieder werde ich gefragt, was willst du denn eigentlich machen? Ich höre Agilität, Coaching, Recruiting? Was suchst du? Die für mich alles vereinende Komponente ist, Menschen voranbringen. Wer mich kennt, weiß, ich bin eine leidenschaftliche Netzwerkerin und Menschen, die ich schätze, versuche ich in ihrer Zielerreichung zu unterstützen. Das war schon so bevor ich Working Out Loud kennengelernt habe. Auf einen bestimmten Jobtitel will ich mich nicht festlegen.

Für diesen Artikel ist jedoch meine Kernbotschaft, dass ich genauso auch die Zukunft des Recruitings sehe. Wenn wir alle offen darüber sprechen, können wir uns gegenseitig unterstützen und empfehlen. Wir könnten unsere Jobs tauschen und wir könnten Gehaltsverhandlungen besser steuern. Sowohl als Mitarbeitende könnten wir die Situation in einer anderen Firma besser einschätzen und ob das wirklich passt, als auch als Unternehmen könnten wir aus einem bestehenden Netzwerk ohne lange Suchzeiten geeignete Kandidaten ansprechen und damit Suchverfahren deutlich verkürzen. Hierzu gehört jedoch auch, dass wir als handelnde Personen in Unternehmen verstehen, dass die Zusammenarbeit auf vertraglicher Ebene vielleicht nicht für immer ist, jedoch im Sinne eines Netzwerkes sehr lange auch unternehmensübergreifend nach einem Arbeitsplatzwechsel funktionieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass es für beide Seiten von Vorteil ist, transparent zu agieren.

In einem vernetzten Markt wären ewig lange Rückmeldezeiten im Bewerbungsprozess oder Gespräche, die nicht auf Augenhöhe stattfinden, ebenfalls nicht mehr an der Tagesordnung, da man sich schon außerhalb der offiziellen Suchprozesse kennt und sich solche Dinge auch herumsprechen. Das Mindset des Kulturwandels im Rahmen der digitalen Unternehmenstransformation darf nicht nur in Form des Teilens von Fachwissen und Zusammenarbeit gelebt werden, sondern sollte auch den Einstieg in neue sinnhafte berufliche Tätigkeiten für jeden erleichtern. Denn ich bin davon überzeugt, dass tief in uns drin, sich jeder von uns nach einer sinnhaften Tätigkeit sehnt und nur wirklich richtig gut ist, wenn er seinen Neigungen nachgeht.

Ich habe mich inzwischen entschieden übergangsweise bei einer Agentur angestellt zu sein und als externe Mitarbeiterin in einem Unternehmen zu arbeiten. Es kann also Jobs geben, die wir bewusst als Übergangslösung annehmen bis wir an unser eigentliches Ziel gelangen.

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10 Gedanken zu “Meine berufliche Neuorientierung – ein Rückblick

  1. Offenheit führt (hoffentlich) zu mehr und vor allem besseren Informationen und damit für Enstscheidungen von allen Seiten.

    Warum sollte ich beispielsweise verschweigen, dass ich eine Depression bzw. depressionsgefährdet bin? Arbeitgeber, die damit nicht umgehen können, sind nicht die richtigen für mich – und nicht der richtige für sie.

    Gefällt 2 Personen

    1. Ich sehe das auch so. Ich wurde vor kurzem darauf angesprochen, dass es ungewöhnlich sei, meine 6 Kinder (für Betreuung ist gesorgt), gleich unter meinen persönlichen Daten anzugeben. Es mag ungewöhnlich sein, aber spätestens im Lebenslauf würde man die Lücken sehen, die ich durch Kinderbetreuung hatte – und wenn ein Arbeitgeber keine Mütter einstellen möchte, kann er sich die Arbeit sparen, meinen Lebenslauf durchzulesen. Leichter macht es die Jobsuche aber trotzdem nicht.

      Gefällt 4 Personen

  2. Liebe Katharina, du sprichst/schreibst mir aus dem Herzen. Ich kann soviele Deiner Punkte nachvollziehen und habe einiges auch selbst erlebt. Deine Zielstrebigkeit und „dickes Fell“ inspirieren mich und ich bin mir sicher, dass du deinen Traumjob findest. Ich hoffe auch sehr, dass Deine Offenheit dazu führt, dass „auf Jobsuche sein“ nicht mehr als Makel empfunden wird und, dass wir offen dazu stehen können, Arbeit als identitätsstiftend zu empfinden und uns nicht mit 8 Stunden Anwesenheitsprämien zufrieden geben. Viel Glück beim Finden und Danke!

    Gefällt 2 Personen

  3. Auch mir sprichst du aus dem Herzen, wahrscheinlich auch deswegen, weil auch ich gerade arbeitssuchend bin. Gerade den Punkt, den Du über Weiterbildung ansprichst, finde ich auch sehr wichtig. Ich habe auch den Scrum Master gemacht. Gebracht hat es mir bisher noch nichts. =) Allerdings fand ich es sehr spannend, etwas in die agile Welt einzutauchen. Und somit war diese Weiterbildung für mich nicht umsonst. Und auch in Zukunft werde ich mir die Weiterbildungen in der Hinsicht aussuchen, ob ich dadurch Fortschritt mache und nicht, ob meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt dadurch steigen. (Denn das kann sich schon geändert haben, bevor ich mit dieser Ausbildung angefangen habe.) Dir noch viel Erfolg bei der Suche.

    Gefällt 2 Personen

  4. Selbst das Lesen deines Artikels ist eine Achterbahn der Gefühle. Ich bewundere deine offenen Worte. Bei manchen Punkten könnte ich ein klares „Genau!“ darunter setzen und bei manchen ein „Wow, so habe ich das noch nie gesehen“. Egal, wie toll der neue Weg klingt, die Schattenseiten sind auch dabei.
    Eine Job-Veränderung treibe ich auch gerade voran. Neben den vielen schönen Gefühlen begleiten mich auch Sorgen und Unsicherheiten. Damit hast du mir direkt aus der Seele gesprochen!

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