Das Leben ist kein roter Faden, warum soll es dann der Lebenslauf sein?

Mir machen bestimmte Tätigkeiten und Aufgaben Spaß, diese kann ich aus meiner Sicht branchen- und kontextabhängig ausüben. Einige nennen das Quereinstieg, ich nenne es den Blick über den Tellerrand und öfter mal was Neues machen. Dieser Artikel ist mein Beitrag zu der Blogparade „Beruflicher Quereinstieg“.

Ein Rückblick

Bei dem Studium Diplom-Pädagogik, Schwerpunkt Erwachsenenbildung, denken die meisten klassischerweise an die Tätigkeit einer Lehrkraft in der Volkshochschule. Ich konnte also schon während meines Studiums damit verwirren, dass ich im Anschluss in der Personalentwicklung tätig sein wollte. Mein erster Job war dann jedoch in der Unternehmensberatung als Beraterin, auch wenn ich aus dem Studium keinerlei BWL-Kenntnisse mitbrachte. Im Anschluss war ich zwei Jahre bei einem Bildungsträger tätig und habe mit benachteiligten Jugendlichen gearbeitet, ohne irgendwelche Kenntnisse im Sozialrecht zu haben. Als Recruiterin fühlte ich mich erstmals nicht als Quereinsteigerin, fing aber gerade in dieser Zeit an, mich mit dem Thema Quereinstieg zu beschäftigen.

Das Konzept Life Work Planning

Ich beschäftigte mich mit dem Konzept des Life Work Plannings und habe geschaut welche Tätigkeiten mache ich denn an sich gerne, unabhängig von dem Kontext. In diesem Seminar habe ich mich auch erstmals damit befasst welche Tätigkeitsfelder mir außer dem Personalbereich noch offen stünden, wenn ich nach meinen kontextunabhängigen Fähigkeiten sowie meinen Interessen ginge.

Ehrlicherweise muss ich im Nachgang sagen, dass ich jedoch in meiner täglichen Arbeit als Recruiterin weiterhin hauptsächlich mit der Fragestellung „Haben die Kandidaten die Inhalte der Stelle schon mal gemacht oder zumindest in einem Beruf/Studium gelernt?“ gearbeitet habe. Erst heute überlege ich, kann die Person eine wertvolle neue Perspektive einbringen oder hat sie die notwendigen Kompetenzen bisher nur in einem anderen Kontext angewendet?

Ein Ergebnis aus dem Seminar für mich war übrigens: Ich kommuniziere gerne mündlich, ich bereite gerne Informationen auf bzw. recherchiere diese, ich organisiere und strukturiere gerne. Ich befürchtete jedoch, dass, wenn ich von meinem bisherigen Tätigkeitsfeld abweichen würde, dies sehr schwierig wäre. Schließlich arbeitete ich als Recruiterin ja selber danach, dass ich stehts auch darauf achtete, Kandidaten einen stringenten Lebenslauf haben. Mein Glaubenssatz war, dass der Lebenslauf einen roten Faden haben und dass alles aufeinander aufbauen muss, damit ich es dem nächsten Arbeitgeber erklären kann. Ich habe mich dabei nicht gefragt wozu ich als nächstes Lust habe und ob meine Interessen sich im Laufe meines beruflichen Werdegangs ggf. geändert haben.

Der Schritt in meine Auszeit

Diese Gedanken waren zwar schon in meinem Kopf, der nächste Schritt fiel aber trotzdem noch recht ähnlich wie meine Wechsel zuvor aus und ich arbeitete in der Personaldienstleistung. Erst danach kam der große Schritt, dass ich mich getraut habe, mir eine mehrmonatige Auszeit zu gönnen und nochmal in Ruhe zu überlegen, was jetzt der nächste Schritt sein könnte. In dieser Zeit habe ich das erste Mal von Working Out Loud gehört, sodass ich im Februar 2018 diesen Blog gestartet habe. Übrigens auch ein Quereinstieg. Ich habe weder eine Ausbildung im Texte schreiben, noch wusste ich wie man ein Content Managementsystem wie WordPress bedient, noch wie Google funktioniert und was man dabei beachten muss.

Der Blog war der Ausgangspunkt, dass ich einen Zugang zur Agilität erhalten und letztendlich die Scrum Master Zertifizierung absolviert habe. Ich empfinde dies als viel stärkeren Bruch als meine vorherigen beruflichen Wechsel. In Gesprächen werde ich auch häufig darauf angesprochen und die Reaktionen meiner Gesprächspartner sind sehr unterschiedlich. Die einen sagen, ich brauche einen IT-Hintergrund und die anderen sagen, ein grundsätzliches Interesse an IT-Themen reicht.

Mut und Vertrauen

Dies ist übrigens eine der beiden Kernbotschaften, die ich mit meinem Artikel und der Beschreibung meines bisherigen Werdegangs vermitteln möchte. Es gibt immer mehrere Perspektiven auf die Dinge. Dies gilt insbesondere für den Quereinstieg. Daher empfehle ich, den Weg zu wählen, der einem selber am besten gefällt und zu dem man am meisten Lust hat. Es allen recht machen, kann man sowieso nicht. Vertraue dir selbst und deinen Fähigkeiten. Die zweite Kernbotschaft, die ich gerne mit diesem Artikel verbreiten möchte ist, dass ich Mut machen möchte. Man muss sich trauen, was Neues auszuprobieren. Man darf sich nicht einschüchtern lassen, wenn andere sagen, dass man dafür ja gar nicht qualifiziert sei.

Mein Mut und mein Vertrauen in die Zukunft und in mich selbst wurden durch meine Auszeit unglaublich gestärkt. Ich bin mir sicher, dass ich diese persönliche Entwicklung nicht in dieser Intensität gemacht hätte, wenn ich das „Geländer nicht losgelassen hätte, um freihändig zu balancieren“. Das bedeutet, mir bewusst eine Auszeit zu gönnen. Besonders trainiert wurde ich durch Fragen wie: Hast du schon einen neuen Job? Wirst du zu Gesprächen eingeladen? … Dabei war das nicht mein vorrangiges Ziel.

Heute habe ich mir angewöhnt, nicht mehr direkt auf diese Fragen zu antworten, sondern mit meinen persönlichen Erfolgen aus den vergangenen Monaten: ein Vortrag auf der CeBIT, ein Lehrauftrag an der Uni Hannover, die autodidaktische Einarbeitung in Scrum, mein Blog und mein Twitter-Kanal. Damit lege ich den Fokus weg von einem „neuen Job“ hin zu sinnhaften Tätigkeiten, die ich in den letzten Monaten gemacht habe und die mir Spaß machen.

Sinnhaftes Arbeiten ist mein oberstes Ziel

Sinnhaftes Arbeiten ist in den letzten Monaten das allerwichtigste Ziel für mich geworden. Ich mache immer noch gerne Recruiting. Hier bringe ich auch einen riesigen Erfahrungsschatz mit. Ich will es aber nur noch auf eine bestimmte Art und Weise tun und in einem bestimmten Kontext. Ich kann mir genauso gut vorstellen als Scrum Master zu arbeiten und meinen Blog werde ich auf keinen Fall mehr aufgeben. Das heißt so lange ich Lust habe, ihn zu schreiben 😉

Wenn durch einen Quereinstieg die Sinnhaftigkeit in der Arbeit für euch gegeben ist, dann nur Mut und Vertrauen. Einfach machen! Ihr müsst euch nicht zwingend erst qualifizieren, sondern man kann in Aufgaben herein wachsen. Was hilft mir in meiner aktuellen Phase? Ich vernetze mich mit Menschen, um von deren Einsichten und Erfahrungen zu lernen.

Dies ist ein Artikel der Blogparade Quereinstieg. Hier findet ihr den Originalartikel und den Link zum Mitmachen.

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